Andere Suchtmittel/Suchtverlagerung

Die meisten Alkoholiker, die ich kennen gelernt habe, sind zusätzlich noch nikotinabhängig. Früher war man der Meinung, ein Alkoholiker sollte sich erst mal auf die Entwöhnung vom Alkohol konzentrieren, bevor er sich vom Nikotin befreit. Mittlerweile gelangt man immer mehr zu der Auffassung, dass beide Suchtstrukturen miteinander „verquickt“ sind. Für mich ist diese neue Erkenntnis eindeutig, denn ich habe mir während der Alkoholentwöhnung einen deutlich höheren Konsum an Zigaretten zugelegt. Mir war die Suchtverlagerung auch durchaus bewusst, aber auch ich habe mich zuerst einmal auf den Alkohol konzentriert. Das Rauchen habe ich damals als das kleinere Übel empfunden. Irgendwie geht es mir heute immer noch so, obwohl ich um die aktive Handlung in einer Sucht weiß, um die es beim Nikotin genauso geht, wie beim Alkohol auch. Dass es auch anders geht, habe ich mittlerweile auch erfahren. Ein Freund, der seit 18 Jahren trocken ist, raucht seit dem ersten alkoholfreien Tag nicht mehr. Für mich belegt er ganz eindeutig, dass es zu schaffen ist, mit beiden Suchtmitteln zur gleichen Zeit aufzuhören. Ich habe heute den Nachteil, dass nun ein wesentlich größeres Gewicht auf der Nikotinsucht liegt, als jemals zuvor. Allerdings stelle ich mir auch oft die Frage, ob ich es geschafft hätte, in mein alkoholfreies Leben einzusteigen, wenn ich auf die Zigaretten hätte verzichten müssen. Mir war diese Form der Suchtverlagerung lieber, als in eine schwerere Abhängigkeit zu geraten. In den letzen 3 Jahren bin ich sehr oft am Einstieg in eine Medikamentensucht vorbeigerutscht. Medikamente haben mir schon ganz oft ein Schlupfloch geboten, durch das ich den einen oder anderen alkoholfreien Rückfall erlebt habe.

Eine weitere Suchtverlagerung stellt für mich der plötzliche Konsum von anderen berauschenden Substanzen dar. Ich denke da an die Monate, in denen ich Cannabis geraucht habe. Mir hat es damals gut getan, nicht mehr „nein“ sagen zu müssen. Allerdings hat sich ganz schnell herausgestellt, über welches Suchtpotential ich verfüge, und wie gefährlich alles für ist, was einen Rausch verursacht. Es gibt Tage, an denen könnte ich alles nehmen, egal, was es ist und wie schädlich es ist. Aber durch die Therapieform, für die ich mich entschieden habe, ist mein Gedankengut, das ich früher betäubt habe, zum Schatz geworden, den ich nicht mehr missen möchte. Das ist eine kleine, aber sehr wichtige Veränderung, die ich als einen Therapie-Erfolg beschreiben möchte.

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