Mones Therapiegeschichte
Als ich mich im Februar 2003 an die Suchtberatungsstelle des diakonischen Werkes in Kassel (Goethestrasse) gewendet habe, habe ich nie damit gerechnet, dass nun bald eine Therapie auf mich zukommt. Ich ging mit dem Gedanken dort hin, dass man mir sagt, wie ich es richtig mache, mit dem Trinken aufzuhören. Im Endeffekt war es auch so. Mir selbst wurde deutlich, dass eine Therapie ein guter Weg ist, den ich mal versuchen kann. So half man mir, die Behandlung bei der Krankenversicherung zu beantragen. Bis dahin wurden mir Einzelgespräche angeboten, die ich dankend annahm. Ich fühlte mich ja auch im Hause der Beratungsstelle sehr wohl, und gut aufgehoben. Zusätzlich besuchte ich die Infogruppe, die sich einmal in der Woche mit der Krankheit Alkoholismus beschäftigte. Dort wurden auch Fragen geklärt, die das eigene Trinkverhalten einbezogen. Diese Gruppe war sehr aufgeschlossen, und gar nicht so schulmeisterlich, wie ich sie mir in meinen schlimmsten Phantasien vorgestellt hatte. Zu dieser Zeit war ich gerade seit 2 Wochen trocken. Ich habe diese Gruppe zwei mal durchlaufen, und beide Male viel fachliches zum Thema gelernt.
Als man feststellte, dass der Antrag nun doch etwas mehr Zeit in Anspruch nahm, als üblich, durfte ich auch ohne Kostenzusage die Therapie beginnen. Dies geschah im Juni 2003. In einer Gruppe von etwa 10 Teilnehmern, begann ich langsam, mich selbst etwas besser kennen zu lernen. In dieser Gruppe gab es eine ungewöhnliche Dynamik. Wir konnten untereinander die verschiedensten Beziehungen zueinander aufbauen, lernen Konflikte zu meistern und erfahren, wie sinnvoll es ist, zu unterbinden, was uns nicht gut tut.
Mein Wesentliches Ziel in der Therapie war es, den gesicherten Rahmen für meine Abstinenz herzustellen. Das
heißt, dass ich mein Umfeld verändern konnte. Ich konnte mich von der völligen Abhängigkeit in ein selbstständiges Leben befreien. Zu Beginn der Therapie habe ich noch mit meinem damaligen Mann zusammen gelebt, und konnte kaum aushalten, ein paar Stunden allein zu sein, während er arbeitete. Im Verlauf der Therapie bin ich ausgezogen, habe vorrübergehend bei einem Freund gewohnt, und lebe nun allein in meiner kleinen Wohnung. Ich habe es geschafft, mit der Therapie den unerreichbaren Traum von meinem kleinen Reich real werden zu lassen. Niemals hätte ich auch nur daran gedacht, mir das zum Therapieziel zu machen, weil es sich völlig utopisch anfühlte. In dieser Zeit habe ich auch gelernt, Grenzen zu überschreiten, die andere mir irgendwann mal auferlegt hatten. Ich war in der Lage, eine ganz eigene Persönlichkeit zu entwickeln, was mir bis heute sehr gut tut. Ich kann sagen, dass ich die Therapie mit rasanter aber bodenständiger Geschwindigkeit in den Veränderungen ge- und durchlebt habe.
Außerdem kann ich sagen, dass mir nichts besseres und sinnvolleres als Einstieg in mein neues Leben hätte passieren können, als diese Therapie.
Letztendlich hat meine Krankenversicherung (damals noch privat) die Entwöhnungsbehandlung nicht bezahlt. Auch das diakonische Werk hat keinerlei Forderungen an mich gestellt. Mir ist also ein wichtiger Teil meines Lebens geschenkt worden, wofür ich sehr dankbar bin.
Mein Therapeut und ich waren zum Ende der Behandlung beide der Meinung, dass es bei mir noch viel zu verarbeiten gibt. So habe ich mich entschlossen, mich mit einer Psychoanalytikerin in Verbindung zu setzen. Es hat ein paar Sitzungen benötigt, bis ich einen Draht zu ihr gefunden hatte. Nach den fünf probatorischen Sitzungen waren die ersten Zweifel allerdings beiseite geräumt, so haben wir im Sommer 2004 die Psychoanalyse beantragt. Hier hat die eigentliche Therapiearbeit begonnen. Wir können dort gemeinsam Ursachenforschung, Selbstbewusstsein und Veränderungen angehen. Diese spannende und helfende Reise ins Ich wird noch bis 2007 andauern.
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